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API-Einblicke

Open Banking: AISP und automatisierte Bankabstimmung

AISP und Bankabstimmung: Was sie sind, worin die Unterschiede liegen und warum sie für Open Banking wichtig sind

AISP (Account Information Service Provider) und die Bankabstimmung sind zwei grundlegende Konzepte im Kontext des Open Banking. Das durch die EU-Richtlinie Payment Services Directive 2 eingeführte System verpflichtet Banken dazu, ihre APIs gegenüber autorisierten Drittanbietern offenzulegen. 

Das bedeutet, dass die Bankdaten einer Person – vorbehaltlich ihrer ausdrücklichen Zustimmung – in Echtzeit abgerufen und aus verschiedenen Quellen aggregiert werden können (z. B. Girokonten bei unterschiedlichen Banken). Dadurch entstehen Mehrwertdienste, die eine zentrale Kontoverwaltung ermöglichen und die Automatisierung von Prozessen wie der buchhalterischen Abstimmung und der Bewertung der Kreditwürdigkeit (Affordability Check) erlauben.

PSD2: die Revolution des Open Banking 

Das Inkrafttreten der EU-Richtlinie 2015/2366, auch bekannt als PSD2 (Payment Services Directive 2), hat den digitalen Zahlungsverkehr in den Ländern der Europäischen Union grundlegend verändert. 

Die Richtlinie, die 2015 verabschiedet und ab 2018 flächendeckend angewendet wurde, führte das sogenannte Open Banking ein – ein System, das vorbehaltlich der ausdrücklichen Zustimmung des Kunden die Weitergabe von Bankdaten an autorisierte Drittanbieter vorsieht, wie etwa FinTech-Unternehmen und technologische Enabler (z. B. Anbieter von Plattformen oder API-Infrastrukturen).

Diese Öffnung des Bankensystems – die Banken zur Bereitstellung ihrer APIs verpflichtet – hat zur Entstehung neuer Services geführt, die von der Datenaggregation aus verschiedenen Kreditinstituten bis hin zur Ausgabenanalyse reichen.

Open Banking ermöglicht es somit, rohe Bankdaten in strukturierte Finanzinformationen umzuwandeln, die genutzt werden können, um einen Gesamtüberblick über die eigenen Bankkonten zu erhalten und zuvor zeitaufwändige Prozesse wie die Analyse des Ausgabeverhaltens und die Bankabstimmung zu automatisieren.

Was ist ein AISP (Account Information Service Provider)?

Im Kontext des Open Banking kommt dem AISP bzw. Account Information Service Provider eine zentrale Rolle zu. Dabei handelt es sich um den autorisierten Akteur, der für die Aggregation von Daten aus mehreren Zahlungskonten verantwortlich ist und die Informationen so strukturiert, dass sie vom Nutzer oder von anderen Anwendungen verwendet werden können.

Auch als TPP (Third Party Provider) bezeichnet, nutzt der AISP APIs, die Banken gemäß PSD2 Drittanbietern zur Verfügung stellen müssen. Selbstverständlich darf ein AISP nur mit der ausdrücklichen Zustimmung des Nutzers und ausschließlich im Lesemodus operieren. 

Dank der Banking-APIs ermöglicht der AISP die Aggregation und Strukturierung der Daten aus den verschiedenen Zahlungskonten des Nutzers und wandelt diese in nützliche Informationen für die Ausgabenanalyse, das Budgetmanagement und die Automatisierung der buchhalterischen Abstimmung um.

Wie funktioniert ein AISP?

Die Funktionsweise eines AISP ist in der PSD2-Richtlinie detailliert geregelt und umfasst drei grundlegende Schritte:

  • Zustimmung des Nutzers: Zunächst fordert die Bank die Zustimmung des Nutzers an, der sich mittels Strong Customer Authentication (SCA) authentifizieren muss. Dabei wird genau angezeigt, welche Daten für welchen Zeitraum freigegeben werden. Die Zustimmung ist in jedem Fall auf maximal 90 Tage begrenzt und muss anschließend erneuert werden;
  • Zugriff über APIs: Der AISP sendet eine API-Anfrage an die Bank, die nach erfolgter Autorisierung ein Zugriffstoken ausstellt, das den Datenzugriff für einen bestimmten Zeitraum ermöglicht. Der AISP kann anschließend die bereitgestellten APIs abfragen und die Kontodaten in einem strukturierten Format (JSON oder XML) empfangen;
  • Datenverarbeitung: Verfügt der Nutzer über Konten bei mehreren Banken, wiederholt der AISP den Autorisierungsprozess für alle Institute und führt die Daten in einem zentralen Dashboard zusammen. Anschließend können die Daten analysiert, kategorisiert und angereichert werden – etwa durch die Klassifizierung wiederkehrender Ausgaben mithilfe von Machine-Learning-Algorithmen oder durch die Zuordnung von Transaktionen zu einem bestimmten geografischen Standort. Die verarbeiteten Daten werden dem Nutzer über eine dedizierte AISP-Oberfläche (App oder Plattform) angezeigt.

Zu den nützlichsten und am weitesten verbreiteten AISP-Anwendungen zählen Lösungen zur Überwachung und Ausgabenverwaltung sowie solche, die die vollständige Automatisierung komplexer Prozesse wie der Bankabstimmung und der Risikobewertung ermöglichen.

Bankabstimmung: Was ist das?

Die Bankabstimmung ist eine grundlegende buchhalterische Praxis für Unternehmen und Selbstständige. Sie besteht in der Überprüfung der Übereinstimmung zwischen Bankdaten und den in den Buchhaltungsunterlagen erfassten Informationen.

Diese Tätigkeit dient dazu, mögliche Abweichungen zu identifizieren und zu korrigieren, etwa nicht verbuchte Transaktionen oder Eingabefehler. Obwohl sie nicht strikt verpflichtend ist, ist die buchhalterische Abstimmung unerlässlich zur Erfüllung steuerlicher Pflichten: Sie ermöglicht die Erstellung korrekter und wahrheitsgemäßer Jahresabschlüsse und den Nachweis der Herkunft finanzieller Mittel im Falle von Prüfungen oder Kontrollen durch die zuständigen Behörden.

Vor der Einführung des Open Banking war die Abstimmung ein manueller und sehr zeitaufwendiger Prozess. Heute ist es dank Services, die Banking-APIs nutzen, um Daten aus allen auf eine Person oder ein Unternehmen lautenden Konten zu aggregieren und zu strukturieren, möglich, diesen Prozess zu automatisieren und Bankdaten in Echtzeit zu verwalten.

Wie funktioniert die automatisierte Bankabstimmung

Die von AISPs bereitgestellten Open-Banking-APIs ermöglichen die Integration von Bankdaten in Unternehmens- und Buchhaltungssoftware. Zunächst verbindet sich die Software auf sichere Weise über den autorisierten AISP mit der Bank und lädt die Bankdaten in Echtzeit (in einem standardisierten, strukturierten Format) herunter.

Die so gewonnenen Daten werden anschließend von einer Matching-Engine (häufig auf Machine Learning basierend) verarbeitet, die versucht, Bankbewegungen mit den in der Buchhaltung vorhandenen Buchungen abzugleichen, indem Parameter wie exakter Betrag, Datum und Verwendungszweck miteinander abgeglichen werden.

Bewegungen mit einer eindeutigen Übereinstimmung werden vom System automatisch bestätigt und ohne menschliches Eingreifen in der Buchhaltung verbucht, während nicht zuordenbare Transaktionen gekennzeichnet und zur manuellen Prüfung weitergeleitet werden.

AISP und Bankabstimmung: Worin liegen die Unterschiede?

Ohne die vom AISP bereitgestellten Informationen wäre – wie gesehen – eine automatisierte Bankabstimmung nicht möglich. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich die beiden Funktionen überschneiden.

Während der AISP die grundlegende Aufgabe hat, strukturierte Bankdaten in Echtzeit bereitzustellen, ist die Abstimmung der buchhalterische Prozess, der diese Daten mithilfe fortschrittlicher Services nutzt, um Vergleichs-, Prüf- und Planungsaktivitäten zu automatisieren.

Die vom AISP gelieferten Daten bilden somit die Grundlage für innovative Services, die eine automatisierte und zentrale Verwaltung finanzieller Vorgänge sowie deren Überwachung in Echtzeit ermöglichen. Bildlich gesprochen sind die vom AISP bereitgestellten Daten das Mittel, während die Automatisierung buchhalterischer Prozesse das Ziel spezialisierter, auf diesen Daten basierender Tools ist.

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